Ähnlich, nicht gleich
Die Begriffe Fasching und Karneval oder Fastnacht scheinen prinzipiell das Gleiche zu meinen. Doch die Unterschiede sind klein aber fein. Ob Fasching, Karneval oder Fastnacht: Im Grunde begehen alle Narren das Gleiche. Oft bunt kostümiert feiern sie in Sitzungen, auf Partys oder auf der Straße rauschende Feste, bis am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist.
Wer unter welcher Bezeichnung feiert, ist meist eine Frage des Wohnortes. "Im Mainzer Raum heißt es Fastnacht, am Rhein Karneval und im Alpenraum Fasching", erklärt Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval. "Unterschiedlich ist nur die Ausformung des Brauchtums", sagt er. So nennt man den Brauch selbst in Sachsen Fasching, die Vereine feiern aber Karneval. "Der Fasching ist die Feier an sich, eine lockere Sache", so der Präsident des Verbandes Sächsischer Carneval e.V., Günter Bührichen. Karneval sei dagegen die traditionsbezogene Feier der Vereine, verbunden mit bestimmten Ritualen, einem meist festen Ablauf und mehr oder weniger festen Regeln.
So dürfte der Karnevalist eigentlich nicht vor dem 11.11. Punkt 11.11 Uhr loslegen. Denn erst dann beginnt die "fünfte Jahreszeit" und mit ihr das närrische Treiben, welches vielerorts mit einem Sturm auf das Rathaus eingeläutet wird, bei dem die Jecken symbolisch den Stadtschlüssel und die Regentschaft übernehmen. "Das Datum ergibt sich aus der gleich zweifachen Doppelung der Narrenzahl 11", weiß Volker Wagner, auch wenn der Karneval historisch gesehen erst im Januar am Dreikönigstag beginne.
Daher werde der November meist auch als Vorsaison oder "Kleiner Fasching" bezeichnet und nach ein bis zwei Wochen kehrt vorerst wieder Ruhe ein.
Mit der ist es dann am 6. Januar endgültig vorbei. Jetzt ist Saison und bis Aschermittwoch sind die Karnevalisten los. Vor allem in der letzten Woche zwischen der Weiberfastnacht, die traditionell den Frauen gehört, über das Wochenende bis hin zu Rosenmontag und Faschingsdienstag. Bevorzugt am Wochenende und am Rosenmontag ziehen in vielen Städten große Faschingsumzüge durch die Straßen. Erst zu Aschermittwoch ist Schluss mit dem lustigen Treiben. Die Narren müssen den Rathausschlüssel wieder an den rechtmäßigen Besitzer abtreten, können nach durchfeierten Wochen endlich durchschnaufen und schon bald mit den Vorbereitungen zur neuen Saison beginnen.
Übrigens begehen nicht nur Deutsche ausgelassen Karneval, auch das Ausland feiert kräftig mit. Berühmt geworden sind vor allem die Baseler Fastnacht sowie der Karneval in Rio de Janeiro und im kolumbianischen Barranquilla. Letzterer gilt als einer der größten Karnevals der Welt. Das dortige Treiben ist von der UNESCO gar als immaterielles Weltkulturerbe geschützt.
